Nikotinschock und Nikotinvergiftung: Symptome erkennen und richtig handeln

Das Wichtigste in Kürze
Was ist ein Nikotinschock?
Der Begriff Nikotinschock bezeichnet eine akute körperliche Reaktion auf eine zu hohe Nikotinaufnahme. Die Beschwerden setzen häufig während oder kurz nach dem Konsum ein und bessern sich, sobald kein weiteres Nikotin aufgenommen wird.
In der Medizin ist Nikotinschock jedoch kein präzise definierter Fachbegriff. Der Begriff wird im Alltag vor allem verwendet, wenn nach dem Rauchen oder Dampfen plötzlich Beschwerden wie Übelkeit, Schwindel, Zittern, Schwitzen oder Herzklopfen auftreten.
Nikotin wirkt auf das zentrale und das periphere Nervensystem und kann unter anderem die Herzfrequenz und den Blutdruck beeinflussen. Bei einer stärkeren Exposition können wesentlich schwerere Beschwerden auftreten.
Nikotinflash, Nikotinschock und Nikotinvergiftung: Was ist der Unterschied?
Nikotinflash und Nikotinschock sind umgangssprachliche Bezeichnungen für Beschwerden, die nach der Aufnahme von Nikotin auftreten können. Medizinisch wird bei gesundheitlichen Beeinträchtigungen durch eine zu hohe Nikotindosis von einer Nikotinvergiftung bzw. Nikotinintoxikation gesprochen.
| Begriff | Einordnung |
|---|---|
| Nikotinflash | Bezeichnung für kurzfristige körperliche Effekte nach der Aufnahme von Nikotin. |
| Nikotinschock | Bezeichnung für unangenehme akute Beschwerden, die mit einer zu hohen Nikotinaufnahme in Zusammenhang stehen können. |
| Nikotinvergiftung / Nikotinintoxikation | Medizinische Bezeichnung für gesundheitliche Beeinträchtigungen durch eine zu hohe Nikotinexposition. |
Ein sogenannter Nikotinflash sollte nicht als grundsätzlich unproblematische Reaktion verstanden werden, die sich eindeutig von einer Überdosierung abgrenzen lässt. Ausschlaggebend sind die tatsächlich auftretenden Beschwerden und deren Entwicklung.
Welche Symptome kann zu viel Nikotin verursachen?
Eine Überdosierung von Nikotin kann sich zunächst durch Übelkeit, Schwindel, Kopfschmerzen, innere Unruhe, Schwitzen oder Zittern bemerkbar machen. Atemprobleme, Bewusstseinsstörungen, Krampfanfälle oder starke Kreislaufprobleme sind Warnzeichen, bei denen medizinische Hilfe erforderlich ist.
Mögliche frühe Beschwerden
Eine zu hohe Nikotinaufnahme kann sich unter anderem durch folgende Symptome bemerkbar machen:
- Übelkeit oder Erbrechen
- Schwindel
- Kopfschmerzen
- innere Unruhe
- vermehrtes Schwitzen oder kalten Schweiß
- Zittern
- Herzklopfen oder beschleunigten Herzschlag
- Schwächegefühl
Nicht immer werden diese Beschwerden sofort als Reaktion auf Nikotin erkannt. Gerade wenn innerhalb kurzer Zeit wiederholt gedampft wird, können sich die ersten Symptome zunächst lediglich wie „etwas zu viel“ anfühlen und anschließend deutlicher werden.
Warnzeichen, bei denen medizinische Hilfe erforderlich sein kann
Mögliche Warnzeichen einer schweren Nikotinvergiftung sind unter anderem:
- Atemprobleme
- ausgeprägte Benommenheit oder Bewusstseinsstörungen
- Krampfanfälle
- starke Kreislaufprobleme
- auffällige Herzrhythmusstörungen
- zunehmende oder anhaltende starke Beschwerden
Bei Atemnot, Bewusstlosigkeit, Krampfanfällen oder anderen akut lebensbedrohlichen Beschwerden gilt: Notruf 112 wählen.
Warum wird mir nach dem Dampfen schwindelig oder übel?
Schwindel oder Übelkeit nach dem Dampfen können auf eine zu hohe Nikotinaufnahme hinweisen, beispielsweise durch eine zu hohe Nikotinstärke, zu viele Züge in kurzer Zeit oder ein leistungsstärkeres Gerät. Nikotin ist jedoch nicht automatisch die Ursache. Halten die Beschwerden an oder treten sie unabhängig vom Dampfen auf, sollten sie ärztlich abgeklärt werden.
Die Zusammensetzung des Liquids, die Geräteleistung und das Zugverhalten bestimmen gemeinsam, wie viel Nikotin abgegeben und aufgenommen wird.
Mögliche Situationen, in denen die Nikotinaufnahme höher ausfallen kann, sind beispielsweise:
- eine für das eigene Nutzungsverhalten zu hohe Nikotinstärke
- viele Züge unmittelbar hintereinander, sogenanntes Chain-Vaping
- der Wechsel auf ein anderes Gerät oder eine höhere Leistung
- der Umstieg von klassischem Freebase-Nikotin auf Nikotinsalz
- eine Kombination aus veränderter Nikotinstärke und verändertem Zugverhalten
Wenn Sie häufiger nach dem Dampfen Beschwerden bemerken, lohnt es sich deshalb, die passende Nikotinstärke zu wählen und dabei auch Gerät und Zugverhalten zu berücksichtigen.
Schwindel und Übelkeit können zahlreiche Ursachen haben. Treten die Beschwerden wiederholt, anhaltend oder unabhängig vom Dampfen auf, sollten sie ärztlich abgeklärt werden.
Kann eine E-Zigarette eine Nikotinvergiftung verursachen?
Ja, auch beim Dampfen ist eine zu hohe Nikotinaufnahme möglich. Ausschlaggebend ist dabei nicht allein die mg/ml-Angabe, sondern das Zusammenspiel aus Liquid, Gerät und Nutzungsverhalten.
Eine Besonderheit sind Nikotinsalz-Liquids. Nikotinsalz wird bei vergleichbarer Konzentration häufig als glatter und weniger reizend empfunden als Freebase-Nikotin. Das subjektiv mildere Zuggefühl ist deshalb kein verlässlicher Indikator dafür, wie viel Nikotin tatsächlich aufgenommen wurde.
In Deutschland darf eine nikotinhaltige Flüssigkeit für elektronische Zigaretten gemäß § 14 Tabakerzeugnisgesetz höchstens 20 mg Nikotin pro Milliliter enthalten. Diese gesetzliche Obergrenze stellt jedoch keinen medizinischen Unbedenklichkeitswert dar. Auch bei niedrigeren Konzentrationen hängt die tatsächliche Nikotinaufnahme davon ab, wie viel Liquid verdampft wird und wie das Gerät genutzt wird.
Mehr über die Besonderheiten erfahren Sie in unserem Ratgeber zum richtigen Nikotinsalz in Liquids.
Ein anderer Risikofall entsteht, wenn nikotinhaltiges Liquid nicht inhaliert, sondern versehentlich verschluckt wird. Dafür gelten andere Handlungsempfehlungen.
Wie viel Nikotin ist zu viel?
Da die tatsächliche Nikotinaufnahme von mehreren Faktoren abhängt, lässt sich kein allgemeiner Grenzwert nennen. Dazu gehören unter anderem die konsumierte Menge, das verwendete Gerät und das Zugverhalten.
Wichtig ist dabei der Unterschied zwischen Nikotinkonzentration und aufgenommener Nikotinmenge: Stehen auf einem Liquid beispielsweise 20 mg/ml, bedeutet das, dass ein Milliliter Liquid 20 mg Nikotin enthält. Es bedeutet jedoch nicht, dass diese 20 mg beim Dampfen vollständig vom Körper aufgenommen werden.
Anstatt sich an einer bestimmten Zahl zu orientieren, sollten Sie auf körperliche Warnzeichen achten. Treten nach dem Konsum von Nikotin Beschwerden wie Übelkeit, Schwindel, Kopfschmerzen oder Herzklopfen auf, sollte die weitere Nikotinaufnahme beendet werden.
Mehr zu den Angaben auf Liquidflaschen, Nikotinstärken und deren Einordnung erfahren Sie in unserem Ratgeber zum Nikotingehalt in Liquids.
Wie lange dauert ein Nikotinschock?
Sie hängt unter anderem von der aufgenommenen Menge, dem Aufnahmeweg und der individuellen Reaktion ab. Leichte Beschwerden können abklingen, sobald kein weiteres Nikotin aufgenommen wird. Anhaltende, starke oder zunehmende Beschwerden sollten jedoch medizinisch abgeklärt werden.
Als toxikologische Orientierung beschreibt das National Institute for Occupational Safety and Health bei einer milden Nikotinexposition eine Symptomdauer von etwa ein bis zwei Stunden. Bei schweren Vergiftungen können die Beschwerden deutlich länger anhalten.
Diese Angaben stellen jedoch keine Zeitgrenze dar, nach deren Ablauf automatisch Entwarnung gegeben werden kann.
Wichtiger ist die Entwicklung der Beschwerden:
- Werden die Symptome nach dem Beenden des Nikotinkonsums deutlich schwächer?
- Bleiben sie unverändert bestehen?
- Treten neue Beschwerden hinzu?
- Werden die Symptome stärker?
Bei starken, zunehmenden oder anhaltenden Beschwerden sollten Sie medizinischen Rat einholen. Bei Atemnot, Bewusstseinsstörungen, Krampfanfällen oder anderen akut lebensbedrohlichen Beschwerden wählen Sie bitte den Notruf 112.
Was tun bei Verdacht auf einen Nikotinschock oder eine Nikotinvergiftung?
Beenden Sie den Konsum sofort, sorgen Sie für frische Luft, setzen Sie sich hin und beobachten Sie, wie sich die Beschwerden entwickeln. Bei leichten Reaktionen können sich die Symptome bessern, sobald kein weiteres Nikotin aufgenommen wird.
Nach einer zu hohen Nikotinaufnahme beim Dampfen können Sie zunächst folgendermaßen vorgehen:
- Beenden Sie den Nikotinkonsum sofort. Dampfen oder rauchen Sie nicht weiter.
- Sorgen Sie für frische Luft. Wechseln Sie, sofern Ihr Zustand dies zulässt, an einen gut belüfteten Ort.
- Setzen Sie sich hin und bleiben Sie ruhig. Vermeiden Sie körperliche Belastung.
- Trinken Sie Wasser, sofern Sie wach sind und problemlos schlucken können. Beachten Sie jedoch, dass Wasser kein Gegengift ist und das Nikotin nicht neutralisiert.
- Beobachten Sie Ihre Beschwerden. Achten Sie darauf, ob die Symptome zurückgehen, unverändert bleiben oder stärker werden.
Wann diese Maßnahmen nicht ausreichen und Sie medizinische Hilfe benötigen, erfahren Sie im nächsten Abschnitt.
Wann sollte man den Giftnotruf oder medizinische Hilfe kontaktieren?
Bei Verdacht auf eine Vergiftung oder bei Unsicherheit kontaktieren Sie ein Giftinformationszentrum. Bei Atemproblemen, Bewusstseinsstörungen, Krampfanfällen oder anderen akut lebensbedrohlichen Beschwerden wählen Sie sofort die 112.
Die deutschen Giftinformationszentren beraten rund um die Uhr bei Vergiftungen und Vergiftungsverdacht. Eine aktuelle Übersicht der zuständigen Stellen stellt das Bundesinstitut für Risikobewertung bereit.
Für die Beratung sind möglichst genaue Angaben hilfreich:
- Wer ist betroffen und wie alt ist die Person?
- Welches Produkt wurde aufgenommen oder verwendet?
- Welche Nikotinstärke ist angegeben?
- Wie viel könnte aufgenommen worden sein?
- Auf welchem Weg erfolgte die Aufnahme?
- Wann ist es passiert?
- Welche Beschwerden bestehen aktuell?
- Welche Maßnahmen wurden bereits durchgeführt?
Halten Sie Verpackung, Flasche beziehungsweise Etikett möglichst bereit.
Bei akuter Lebensgefahr gilt immer 112.
Nikotinhaltiges Liquid verschluckt – was tun?
Wenn nikotinhaltiges Liquid verschluckt wurde, sollte ein Giftinformationszentrum kontaktiert werden. Halten Sie das Produkt mit Verpackung bzw. Etikett bereit. Lösen Sie kein Erbrechen aus.
Das versehentliche Verschlucken unterscheidet sich wesentlich vom normalen Dampfen. Beim Trinken von Liquid kann innerhalb kurzer Zeit eine relevante Nikotinmenge aufgenommen werden. Das BfR beschreibt das versehentliche Verschlucken von E-Liquids als wichtiges Vergiftungsrisiko, insbesondere bei Kindern.
Wenn die betroffene Person wach ist, sollten Sie folgende Maßnahmen ergreifen:
- weiteres Liquid im Mund ausspucken
- Mund ausspülen
- kein Erbrechen auslösen
- Aktivkohle oder andere vermeintliche Gegenmittel nur nach ärztlicher Anweisung beziehungsweise Rücksprache mit dem Giftnotruf einsetzen
- Giftinformationszentrum kontaktieren
- Verpackung beziehungsweise Etikett bereithalten
Die für den Anruf hilfreichen Angaben finden Sie oben im Abschnitt zum Giftnotruf.
Kind hat Liquid verschluckt – was tun?
Wenn ein Kind nikotinhaltiges Liquid verschluckt hat, kontaktieren Sie sofort ein Giftinformationszentrum, auch wenn zunächst keine Beschwerden erkennbar sind. Bei Atemproblemen, Bewusstseinsstörungen, Krampfanfällen oder anderen akut lebensbedrohlichen Situationen wählen Sie den Notruf 112.
Kinder sind bei versehentlich verschlucktem nikotinhaltigem Liquid besonders gefährdet. Das BfR weist darauf hin, dass bereits vergleichsweise geringe Mengen verschluckten Nikotins bei Kindern deutliche Beschwerden verursachen können.
Bis Sie weitere Anweisungen erhalten, beachten Sie bitte Folgendes:
- Kind nicht unbeobachtet lassen
- kein Erbrechen auslösen
- Produkt und Etikett bereithalten
- Nikotinstärke ablesen
- möglichst abschätzen, wie viel Liquid fehlen könnte
- Zeitpunkt des möglichen Verschluckens notieren
Bewahren Sie E-Liquids grundsätzlich kindersicher, verschlossen und außerhalb der Reichweite von Kindern auf.
In Deutschland müssen nikotinhaltige elektronische Zigaretten und Nachfüllbehälter kinder- und manipulationssicher ausgeführt sein. Dieser technische Schutz ersetzt jedoch keine sichere Aufbewahrung.
Zu hohe Nikotinaufnahme beim Dampfen vermeiden
Die Nikotinstärke sollte zu Ihrem bisherigen Konsum, dem verwendeten Gerät und Ihrem Zugverhalten passen. Wenn Sie neue Liquids oder Geräte bewusst testen und viele unmittelbar aufeinanderfolgende Züge vermeiden, reduzieren Sie das Risiko einer unbeabsichtigt hohen Nikotinaufnahme.
Achten Sie insbesondere auf folgende Punkte:
- Wählen Sie eine Nikotinstärke, die zu Ihrem bisherigen Konsum passt.
- Berücksichtigen Sie den Gerätetyp und Ihr Zugverhalten. MTL, RDL und DL können sich hinsichtlich der verdampften Liquidmenge deutlich unterscheiden.
- Übernehmen Sie beim Gerätewechsel nicht automatisch die bisherige Nikotinstärke.
- Gehen Sie beim Umstieg auf Nikotinsalz bewusst vor und beobachten Sie Ihre Reaktion.
- Vermeiden Sie dauerhaftes Chain-Vaping mit vielen Zügen unmittelbar hintereinander.
- Legen Sie bei ersten Anzeichen wie Übelkeit, Schwindel oder Zittern eine Pause ein und nehmen Sie kein weiteres Nikotin auf.
- Wenn Sie Nikotin reduzieren möchten, können nikotinfreie Liquids eine Option sein. Nikotinfrei bedeutet allerdings nicht automatisch gesundheitlich unbedenklich.
Wenn Sie unsicher sind, welche Nikotinstärke zu Ihnen passt, finden Sie weitere Orientierung in unserem Vergleich der Liquid-Nikotinstärken.
Zum Berechnen einer gewünschten Mischung können Sie außerdem unseren Liquid-Rechner verwenden.
Häufige Fragen zum Nikotinschock
Kann Zittern von zu viel Nikotin kommen?
Kann man von Nikotinsalz einen Nikotinschock bekommen?
Was tun, wenn nikotinhaltiges Liquid auf die Haut gekommen ist?
Kann zu viel Nikotin Herzklopfen oder Herzrasen verursachen?
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